Ergotherapeutische Förderung

Ergotherapeutische Förderung

Ergotherapie ist laut Sozialgesetzbuch ein von Arzt verordnetes Heilmittel, gleichberechtigt mit Physiotherapie und Logopädie. Die Schule für Körperbehinderte bietet im Rahmen ihrer speziellen Fördermöglichkeiten ergotherapeutische Leistungen an, die in Form von Einzel- und Gruppenangeboten, Beratungen und Diagnostik vorgehalten wird. Die meist 40-minütigen Behandlungseinheiten werden wöchentlich durchgeführt.

Die ErgotherapeutInnen an unserer Schule behandeln Kinder außerhalb der Unterrichtsituation, in kleinen Gruppen oder im Unterricht. Das lebenspraktische Training z.B. Mund- und Esstherapie oder An- und Ausziehtraining werden in den Alltag einbezogen. ErgotherapeutInnen nehmen an Elternabenden, Klassenfahrten und Fördergesprächen teil. Sie sind ein fester Bestandteil des interdisziplinären Teams.

Im Mittelpunkt der ergotherapeutischen Diagnostik, z.B. bei der sonderpädagogischen Begutachtung stehen die modifizierten und standardisierten Testverfahren nach Jean Ayres und Marianne Frostig. Damit sollen die hauptsächlich gestörten Funktionen der Sensomotorik sowie sensorischen Integration, der visuellen und auditiven Wahrnehmung aufgezeigt werden. Des Weiteren stehen die Handlungsplanung sowie deren neurophysiologischen Voraussetzungen, die z.B. für einen Lernerfolg im Lesen und Schreiben erforderlich sind, im Blickpunkt der Ergotherapie.

Spezifische Zielsetzungen:

  • Förderung von neurophysiologischen Bewegungs- und Handlungskompetenzen
  • Förderung vorhandener Fähigkeiten hinsichtlich der Anbahnung von Lernfähigkeiten
  • Anbahnung von graphomotorischen Bewegungsvoraussetzungen zum Schreiben
  • Unterstützung der psychosozialen Integration in den Schulalltag
  • Unterstützung bei der InformationsverarbeitungHilfsmittelberatung z.B. Griffadaptationen, Einrichten und Gestalten eines ergonomischen Arbeitsplatzes
    Erarbeitung von Kommunikationshilfen für nichtsprechende Kinder, sog. “ Unterstützte Kommunikation“

So kann Ergotherapie im Alltag aussehen:

Wir versuchen immer möglichst viele verschieden Sinneskanäle anzusprechen, z.B. in dem die Kinder Rollbrett fahren, eine schiefe Ebene hinuntersausen, in einer Hängematte schaukeln, Pedalo fahren, als Gruppe auf dem Airtramp sind und dort viele Körpererfahrungen sammeln, im Bällchenbad untertauchen oder im sog. Matschraum mit verschiedenen Materialien umgehen lernen ( Kleister, Farbe, Rasierschaum, Creme Ton etc. Alles was mit Wasser und Matsch zu tun hat, wird von den Kindern meist sehr positiv aufgenommen.) Motivation ist das Schlüsselwort für eine erfolgreiche Einheit. Kinder lernen und behalten nur Dinge, die ihnen Spaß machen und die ihnen sinnvoll erscheinen.

So ist ein Rollbrett ein vielseitig einsetzbares Therapiegerät, auf ihm können die Kinder in vielen verschiedenen Positionen durch den Therapieraum fahren und so spielerisch u.a. ihre Raumerfahrung, ihre Haltung und ihre Motorik verbessern. Die Hängematte ist das klassische Mittel für die Vermittlung vestibulärer Reize in der Sensorischen Integrationstherapie. Hier können Gleichgewichtsschulung und Erwerb von tiefensensiblen Kompetenzen kombiniert werden. Die Kinder spüren sich dadurch viel besser und können sich selbst während des Alltages besser steuern. Sehr aktive Kinder werden so meist etwas ruhiger, antriebsschwache Kinder werden munterer. Zur Ergotherapie gehören auch handwerkliche Aktivitäten, wie z.B. Töpfern, Korbflechten, Metallarbeiten, Malen in allen Variationen, leichte Holzarbeiten und der Umgang mit textilem Material. Gehandwerkt wird einzeln oder auch in Kleingruppen zu einem speziellen Thema.

Die Küche wird für das Training des täglichen Lebens genutzt. Die Herstellung von Speisen bietet vielfältige Möglichkeiten, ergotherapeutische Ziele zu erreichen, der Umgang mit Küchengeräten und Gegenständen des täglichen Lebens betont den sinnhaften Charakter der Therapiesituation, die Nahrungsmittel bieten sinnliche Erfahrungen. Außerdem gibt es Spiele für alle Alterstufen, darunter sowohl handelsübliches Spielzeug und Gesellschaftsspiele als auch speziell adaptierte Spiele für verschiedene Behinderungsformen und auch Spiele, die nur für ein bestimmtes Kind angepasst sind. Als zusätzliche Schwerpunkte der Ergotherapie an der Alexander-Schmorell-Schule sind außerdem noch Musik- und Entspannungstechniken wie z.B. Elemente aus Yoga und Autogenem Training und Gestaltungstherapie zu nennen.

Die räumliche Ausstattung des Fachbereiches Ergotherapie ist sehr großzügig. Die Therapien können in drei verschiedenen Räumen stattfinden, außerdem nach Bedarf in einem Werkstattraum, dem Tonraum, dem Nasstherapieraum, dem Schaukelraum, dem Snoezelraum sowie in der Turnhalle.

Die ergotherapeutische Behandlung orientiert sich am jeweiligen Entwicklungstand und Leistungsstand des Kindes, um über bzw. Unterforderung zu vermeiden. Alle in der Behandlung angebotenen Aktivitäten sollen für das Kind von Bedeutung sein. Dem Kind wird ein Umfeld zur Verfügung gestellt, in dem es agieren kann und das Tempo mitbestimmen.

Kontakt

ALEXANDER-SCHMORELL-SCHULE
Schule mit Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung

Grenzweg 10
34125 Kassel

Telefon: (0561) 813 028
Telefax: (0561) 813 029
karl-ludwig.rabe@schulen.kassel.de

Interdisziplinarität durch gezielte Angebote in den Bereichen:

Physiotherapie